Kultur der Schule - Schule der Kultur

Konzept

Musikalisch-kulturelle Bildung an der Grundschule wird heute immer stärker von non-formalen Bildungsträgern, wie z.B. Musikschulen, mitgestaltet. Diese Entwicklung, die durch die Ausweitung des Bildungsprogramms „JeKits - Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ auf ganz Nordrhein-Westfalen derzeit einen weiteren Schub erfährt, gibt Anlass, die tradierten Ziele, Konzepte und Routinen der beteiligten Akteure zu überdenken und neue Wege zu beschreiten. Musikschulen und als Pädagogen arbeitende Künstlerinnen und Künstler sind aufgefordert, neue didaktische Konzepte zu entwickeln und einem veränderten Bildungsauftrag gerecht zu werden. Damit musikalisch-kulturelle Bildungsprojekte wirklich zu einer qualitativen Differenz in der schulischen Wirklichkeit führen können, sind auch die Schulen aufgefordert, ausgetretene Pfade des Lehrens und Lernens zu verlassen und sich Fragen nach den Bedingungen ästhetisch-kultureller Bildung zu stellen.

Im Rahmen der Tagung sollen im Dialog von Schule, Kunst und Wissenschaft Ziele, Herausforderungen und Möglichkeiten musikalisch-kultureller Bildung in der Grundschule ausgelotet und visionäre Perspektiven für die Zusammenarbeit von schulischen und außerschulischen Trägern entwickelt werden. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und sozialräumlicher Entwicklungen, die vor den Türen der Grundschule nicht Halt machen, werden drei Dimensionen kultureller Bildung in der Schule - >kulturelle Schulentwicklung<, >Unterricht< und >Inklusion< - fokussiert und mit Blick auf die praktischen Herausforderungen schulischer Wirklichkeit diskutiert.

Vorträge, Gespräche und Workshops schlagen die Brücke zwischen wissenschaftlichen Perspektiven und Diskursen, konkreten Projekten der Offenen Jazz Haus Schule und den Fragestellungen und Erfahrungen der TeilnehmerInnen.

Die Tagung richtet sich gleichermaßen an Lehrer, OGS-Mitarbeiter und Schulleiter, Musik- und Tanzpädagogen, vermittlungsinteressierte Musiker und Tänzer sowie an alle, die an kultureller Bildung in der Grundschule interessiert sind.

 

Unterricht und Selbstbestimmung

            Das allgemeine Ziel der Förderung des gemeinsamen Musizierens, Singens oder Tanzens lässt weitgehend offen, wie diese gemeinsame Praxis im Unterricht konkret gestaltet werden soll. Im Sinne einer ernstgemeinten kulturellen Schulentwicklung sind deswegen auch pädagogisch didaktische Konzepte und Unterrichtssettings kritisch zu diskutieren. Das Hauptaugenmerk der Tagung gilt dabei dem Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Unterricht. Welche Formen des Lehrens und selbstbestimmten Musizierens und Musik-Lernens lassen sich im Rahmen des schulischen Unterrichts verwirklichen? Wie ist dieser Unterricht zu gestalten, damit das Ziel, ein nachhaltiges Interesse am aktiven Musizieren und Tanzen zu wecken, erreicht wird? Arbeitsweisen und Gestaltungsmöglichkeiten aus populärer, improvisierter und zeitgenössischer Musik gelten als privilegierte Ansätze. Aber wie sehen diese Ansätze in der Praxis aus und wie zeigen sich in der Praxis die anvisierten pädagogischen Qualitäten wie Schülerorientierung, Demokratisierung, Selbstbestimmung und Partizipation?

 

Inklusion

Fragen nach kultureller Schulentwicklung und Formen der Selbstbestimmung im Musikunterricht lassen sich nicht diskutieren, ohne gesellschaftliche und politische Fragen und Zusammenhänge von Migration und kultureller Vielfalt einerseits und Desintegration und Benachteiligung andererseits zu thematisieren. Mit dem Begriff der Inklusion soll und muss danach gefragt werden, wie Schule heute den sozialen Verwerfungen und den benachteiligenden Realitäten, von denen gerade Familien und Kinder am stärksten betroffen sind, entgegenwirken kann. Wie können musikalisch-kulturelle Bildungsangebote und Förderprogramme wie JeKits zu kultureller Teilhabe beitragen und welche weiteren Rahmungen wären nötig?

Neben normativen Strukturen musikalisch-kultureller Bildung in der Schule – wer soll warum an was partizipieren – soll in der Diskussion eine differenzierte Perspektive auf die Ziele von Inklusion und kultureller Teilhabe entwickelt werden.

 

Offene Jazz Haus Schule

Einen wichtigen Bezugspunkt der Tagung bilden die Erfahrungen aus den Grundschulprojekten und JeKits-Kooperationen der Offenen Jazz Haus Schule.  Die Offene Jazz Haus Schule führt seit vielen Jahren Kooperationsprojekte mit Grundschulen durch, in denen sie kompositorische, experimentelle und improvisatorische Ansätze, inklusive didaktische Konzepte und eine selbstbestimmungsorientierte Öffnung des Unterrichts verfolgt und die Kooperation mit Schule vielschichtig entwickelt.

 

Dialog Schule – Kunst – Wissenschaft

Im Rahmen des Vormittags werden alle drei Themenkomplexe und die Fragen, die sich an sie anschließen, aus zwei unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und im Gespräch mit allen TeilnehmerInnen kritisch diskutiert. Am Nachmittag finden drei parallele Workshops statt. An konkreten Beispielen werden die am Vormittag aufgewiesenen Fragen zu Visionen, Möglichkeiten und Herausforderungen musikalisch-kultureller Bildung in der Grundschule und kultureller Schulentwicklung in kleineren Gruppen praxisnah exploriert, diskutiert und bearbeitet. Ein Open Space gibt den TeilnehmerInnen mit ihren unterschiedlichen Interessen und Perspektiven Raum, eigeninitiativ Austausch und Diskussionen zu gestalten.

 

Dr. Ulas Aktas & Thomas Gläßer (Offene Jazz Haus Schule)