Die Offene Jazz Haus Schule hat einen neuen Vorstand. In seiner Mitgliederversammlung hat der Verein Offene Jazz Haus Schule turnusmäßig seinen Vorstand neu gewählt. Rainer Linke, Gründer der OJHS, langjähriger Leiter und Vorsitzender, trat nicht erneut für das Amt des Vorsitzenden an. Ulla Oster, seit vielen Jahren Vorstandsmitglied und stv. Vorsitzende, wurde einstimmig zur Vorsitzenden gewählt. Monika Böhmer ist neue stv. Vorsitzende. Die weiteren Vorstandsmitglieder sind Nik Grunwald, Tobias Hoffmann, Annette Maye und Kristina Nuss. Rainer Linke wurde für seine Verdienste um die Offene Jazz Haus Schule eine besondere Ehre zuteil: Die Mitgliederversammlung wählte ihn einstimmig zum Ehrenvorsitzenden des Vereins.
Der neue Vorstand der Offenen Jazz Haus Schule (v. l. n. r.): Nik Grunwald, Tobias Hoffmann, Rainer Linke, Annette Maye, Ulla Oster, Monika Böhmer, Kristina Nuss.

Rainer Linke hatte in einer Vorstandssitzung zuvor erklärt, mit dem neuen Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt Köln einen wichtigen Meilenstein geschaffen zu haben. Dieser Erfolg habe ihn zur Entscheidung geführt, für das Amt nicht erneut zu kandidieren. Die Offene Jazz Haus Schule, insbesondere die Dozierenden und das Büroteam, bedanken sich für seine jahrzehntelange Arbeit für unseren Verein. Seine Ansprache im Rahmen der Feierstunde am 5.12.2025 fasst diesen Erfolg zusammen.
Ansprache zur Feierstunde am 5.12.25 in der Eigelsteintorburg
aus Anlass des neuen Erbbaurechtsvertrags und der Sanierung des Westturm der Eigelsteintorburg
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, Teresa De Bellis-Olinger, sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, Brigitta von Bülow, sehr geehrte Ratsmitglieder, sehr geehrter Herr Beigeordneter, William Wolfgramm, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,
ein herzliches Willkommen in der Eigelsteintorburg – dem ehemaligen Nordtor der mittelalterlichen Kölner Stadtmauer und dem heutigen Zentrum für musikalisch-kulturelle Bildung in Köln.
Die Neuvergabe des Erbbaurechts Eigelsteintorburg ist eine klassische Win-Win Vereinbarung:
- Die Stadt überlässt die Nutzung der Eigelsteintorburg langfristig und zu günstigen Konditionen der OJHS als Zentrum für musikalisch-kulturelle Bildungszwecke.
- Die OJHS unterhält und erhält im Gegenzug als Erbbaurechtsnehmer die Eigelsteintorburg und übernimmt dem Subsidiaritätsprinzip folgend Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge.
Vier Jahre haben wir – das sind neben meiner Person Joscha Oetz und Jörg Frank – mit der Stadt Köln verhandelt. Ein gefühlter Verhandlungsmarathon für beide Verhandlungspartner – und dies obwohl der Verbleib der OJHS in der Eigelsteintorburg von niemandem in Frage gestellt wurde. Die Frage war vielmehr: Zu welchen Konditionen? Schließlich gilt auch hier: Ende gut, alles gut! Es ist uns gelungen, zu Ergebnissen zu kommen, die für beide Seiten akzeptabel und tragfähig sind. Und so konnte am 23.9.25 – gerade noch rechtzeitig vor dem Beginn der aktuellen Sanierung des Westturms – der neue Erbbaurechtsvertrag von unserer stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden, Frau Ulla Oster und von mir unterschrieben und notariell beglaubigt werden.
Das ist – und es kann nicht stark genug betont werden – eine sehr gute und sehr erfreuliche Nachricht für die OJHS, aber auch für die Stadt Köln, für die Stadtgesellschaft, für alle Musikinteressierten, für die kulturelle Bildung in Köln und natürlich für unsere Teilnehmenden, für die Dozierenden und das gesamte Team der OJHS. Insbesondere aber auch für mich ganz persönlich. Die Sicherheit des Fortbestandes der OJHS war mir ein wirkliches Anliegen, ein Herzenswunsch, und es erfüllt mich mit einem guten, beruhigenden Gefühl, die OJHS mit ihrem Zentrum nach 45 Jahren Aufbauzeit, ständiger Weiterentwicklung und erfolgreicher musikalisch-kultureller Bildungsarbeit auch weiterhin in langfristig gesicherten Räumlichkeiten zu wissen: Räumlichkeiten in zentraler Lage, in einem multikulturellen Stadtviertel gelegen, zwischen Ebertplatz und Hauptbahnhof mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar, keine 500 Schritte von der Hochschule für Musik und Tanz entfernt, in einem exponierten Baudenkmal der Stadt Köln.
Eckpunkte des neuen Erbbaurechtsvertrags sind:
- Als soziokulturelle Einrichtung wird die OJHS die Torburg wie bisher als Zentrum für musikalisch-kulturelle Bildung und für bürgerschaftliche Veranstaltungen nutzen.
- Der neue Erbbaurechtsvertrag hat eine Laufzeit von 80 Jahren mit der Option der zweimaligen Verlängerung um jeweils 10 Jahre. Die räumliche Existenz des Zentrums der OJHS ist somit vertraglich für mehrere Generationen bis ins Jahr 2125 gesichert.
- Der Vertrag sieht einen Erbbauzins von 0,75 Prozent vor, das bedeutet, dass die OJHS jährlich 9.000 € in die Stadtkasse zu zahlen hat. Der Erbbauzins kann jedoch – und das ist für die OJHS äußerst bedeutsam – kapitalisiert werden. Kapitalisiert heißt: Der Erbbauzins kann nach vertraglich vereinbarten Regelungen mit Instandhaltungs- und Instandsetzungsleistungen verrechnet werden. Daraus folgt ganz aktuell und konkret: Aufgrund der verrechenbaren Instandsetzungsmittel in Höhe von 500.000 € für die zur Zeit laufende Sanierung des Westturm wird der Erbbauzins ab 2026 für ca. 55 Jahre ausgesetzt.
Ermöglicht wurden diese Konditionen durch neue Vergaberichtlinien, "Baustein 2" genannt, die im Zusammenwirken von Politik und Verwaltung und zahlreichen sozialen und soziokulturellen Einrichtungen in den zurückliegenden Jahren entwickelt wurden. Dies insbesondere in der Zeit, in der Dr. Lothar Becker das Liegenschaftsamt kommissarisch leitete. Der Rat der Stadt Köln setzte "Baustein 2" im März 2024 in Kraft. Im Mai 2024 beschloss der Rat der Stadt Köln die Neuvergabe des Erbbaurechts auf dieser Grundlage an die OJHS.
Im Namen des Vorstands, des Teams und aller Dozierenden und Teilnehmenden der OJHS danke ich all den Personen und Institutionen, die den Erbbaurechtsvertrag ermöglicht und zum Abschluss desselben beigetragen haben. Da ist an erster Stelle die Eigentümerin der Eigelsteintorburg, die Stadt Köln, zu nennen, und hier die handelnden und entscheidenden Personen, also der Rat der Stadt Köln und zudem die Verwaltung, das Liegenschaftsamt. Von Seiten der OJHS ist dem Schulleiter, Joscha Oetz, zu danken. Zudem gilt der Dank insbesondere auch einer Person, die uns ehrenamtlich beratend – quasi als Lotse – durch Untiefen und um Klippen der kommunalen Politik und Verwaltung geleitet hat, ich spreche von Jörg Frank. Zudem gilt unser Dank unserem Rechtsanwalt Jakob Kreutzer. Ihnen allen hier nochmals auch mein persönlicher, öffentlich ausgesprochener Dank.
Gleichwohl bleibt bei aller Freude und Dankbarkeit zum einen die Erkenntnis, dass auch zukünftig die Verantwortung für den Erhalt eines so hochrangigen Baudenkmals wie der Eigelsteintorburg nicht ausschließlich durch die OJHS getragen werden kann. Die finanziellen Lasten sollten – wie bisher – auf verschiedenen Schultern ruhen. Zum anderen deckt die Eigelsteintorburg als Zentrum der OJHS bei 5.000 Teilnehmenden, 230 Dozierenden und mehr als 10 angestellten Mitarbeitenden leicht vorstellbar nicht den gesamten Raumbedarf der OJHS ab. Die Raumsituation ist in weiten Bereichen der OJHS stark defizitär. Es bleibt somit bezüglich Raumbeschaffung für das Team der OJHS weiterhin viel zu tun. Daher an dieser Stelle die dringliche Bitte an die Stadt Köln und an alle Sympathisanten, die OJHS auch zukünftig insbesondere bei der Raumbeschaffung aber auch ganz generell nach besten Kräften zu unterstützen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!