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Mit großer Bestürzung, Enttäuschung und Besorgnis haben wir den neuen Entwurf der Kölner Stadtverwaltung für den Doppelhaushalt 2027/28 zur Kenntnis genommen. Nach unzähligen intensiven Gesprächen mit Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung, nach unserem gemeinsamen Protest und den ermutigenden Signalen der vergangenen Jahre stehen wir nun erneut vor den Trümmern einer verlässlichen Finanzplanung. Die Stadtverwaltung übernimmt in ihrem Entwurf starr die gekürzten Zahlen aus der vorherigen mittelfristigen Finanzplanung und führt damit die Offene Jazz Haus Schule, eine der zentralen Kölner Einrichtungen für kulturelle Bildung, in eine ungewisse Zukunft.

Die harten Zahlen im Überblick

Bereits für die Jahre 2025 und 2026 waren von der Stadtverwaltung drastische Einsparungen vorgesehen, die der Stadtrat glücklicherweise durch einen politischen Veränderungsnachweis teilweise zurücknahm. Nun wiederholt sich diese Situation für die Jahre 2027 und 2028 – allerdings unter noch viel dramatischeren Vorzeichen.

Verglichen mit unserer städtischen Förderung aus dem Jahr 2024 (528.478,92 €) bedeutet der neue Entwurf eine Kürzung um gut 25 bis 27 %:

  • 2027: nur noch 397.595,70 €
  • 2028: lediglich 382.736,13 €

Erschwerend kommt hinzu, dass die Stadt Köln eine neue Abgabe für die Nutzung von Schulräumen für unsere Bildungsangebote erhebt. In 30 Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit mussten wir für die Nutzung von Schulräumen nie Kosten tragen. Nun belasten uns zusätzliche Ausgaben in fünfstelliger Höhe – gezahlt direkt an die Stadt Köln. Rechnet man diese neuen Belastungen in die Haushaltszahlen ein, belaufen sich die effektiven Kürzungen der städtischen Förderung sogar auf über 30 %.

Wofür wir die städtischen Mittel benötigen

Die städtische Förderung macht rund ein Viertel unseres Gesamthaushalts aus. Darüber hinaus wirkt sie wie ein finanzieller Hebel: Erst die kommunale Kofinanzierung ermöglicht uns die Akquise substanzieller Drittmittel – etwa von Förderungen des Landes NRW, Stiftungen und anderen Partnern. Werden diese Mittel gekürzt, sind ausnahmslos alle Bereiche unserer Arbeit betroffen:

  • Breitenförderung & Musikschule: Zuschüsse zu Dozent*innenhonoraren sichern bezahlbaren Musikunterricht, Ensembles und Bands für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in zahlreichen Kölner Stadtteilen.
  • Kooperationen & Bildungspartner: Mit städtischen Mitteln finanzieren wir verlässliche Projektangebote an Kölner Kindertagesstätten, Schulen und Offenen Ganztagsschulen sowie die kommunalen Anteile an Landesprogrammen wie JeKits.
  • Soziokultur & Inklusion: Sie sichern kulturpädagogische Projekte, die gezielt gesellschaftliche Teilhabe, Chancengleichheit und den Zugang zur Musik für sozial benachteiligte Gruppen fördern.
  • Träger- und Verwaltungsstruktur: Ein Teil der Förderung sichert die Arbeit unseres festangestellten Büroteams, das den gesamten Schul-, Kooperations- und Projektbetrieb organisatorisch und administrativ stemmt.

Am Limit: Große Sparsamkeit, prekäre Realität

Wir haben in den vergangenen Jahren an vielen Stellschrauben gedreht und extrem sparsam gewirtschaftet, um unser Angebot aufrechtzuerhalten. Doch der Gürtel lässt sich nicht weiter enger schnallen, ohne dass die Substanz zerstört wird:

  • Prekäre Honorare für unsere Dozierenden: Unsere freiberuflichen Lehrkräfte tragen die pädagogische und künstlerische Qualität der OJHS. Ihre Vergütung liegt jedoch an vielen Stellen unter den vom Kulturgesetzbuch NRW vorgegebenen Honoraruntergrenzen. Wir wollen unseren Dozierenden endlich faire, existenzsichernde Honorare zahlen – die geplante Kürzung verwehrt uns diesen dringend nötigen Schritt.
  • Verwaltungsstrukturen hocheffizient organisiert: Wirtschaftlichkeit, hohe Leistungsfähigkeit und wirksame Prozesse prägen unsere Arbeit seit Jahren – auch im Büroteam, dessen Vergütung unter dem Niveau des TVöD liegt. Weitere Einsparungen an dieser Stelle sind schlicht unmöglich, wenn der laufende Betrieb koordiniert und verlässlich gesichert werden soll.
  • Kein Abwälzen auf Kölner Familien: Wir weigern uns, diese Lücke ausschließlich über drastisch erhöhte Teilnahmebeiträge zu schließen. Musikalische Bildung darf nicht zum Privileg für wenige werden! Bildungsgerechtigkeit und kulturelle Teilhabe sind unser Auftrag für die Menschen dieser Stadt – den wir nicht opfern werden.

Ein dringender Appell an die Kölner Politik

Der Haushaltsentwurf der Verwaltung ist ein Vorschlag – nicht das letzte Wort. Die finale Entscheidung liegt beim Rat der Stadt Köln.

Wir appellieren an alle Ratsmitglieder: Lassen Sie nicht zu, dass jahrelang aufgebaute Strukturen der kulturellen Bildung kaputtgespart werden! Korrigieren Sie den Entwurf der Verwaltung für die Jahre 2027 und 2028. Sichern Sie die Zukunft der Offenen Jazz Haus Schule und ermöglichen Sie faire, würdevolle Arbeitsbedingungen für alle Menschen, die diese Einrichtung täglich mit Leben füllen!

Solidarität mit den kulturpädagogischen Facheinrichtungen

Die Offene Jazz Haus Schule steht mit dieser Situation nicht allein. Sie ist Teil der Kooperative für Kulturelle Bildung Köln, in der elf kulturpädagogische Facheinrichtungen zusammenarbeiten. Alle diese Einrichtungen werden durch die Stadt Köln gefördert – und bei allen stehen angesichts der aktuellen Haushaltsplanung Kürzungen im Raum. Schon bei den Haushaltsverhandlungen für 2025/26 hatten die kulturpädagogischen Facheinrichtungen gemeinsam auf die drohenden Einschnitte aufmerksam gemacht. Damals war vorgesehen, insgesamt zehn Stellen zu streichen, den Strukturförderfonds abzuschaffen sowie weitere Mittel zu kürzen. Die Einrichtungen warnten bereits zu diesem Zeitpunkt davor, dass damit nicht nur wichtige Angebote für Kinder und Jugendliche gefährdet würden, sondern auch erhebliche Drittmittel verloren gehen könnten. Allein im Jahr 2023 hatten die kulturpädagogischen Facheinrichtungen gemeinsam rund 3,9 Millionen Euro zusätzliche Fördermittel eingeworben.

Der Stadtrat hat die damals vorgesehenen Kürzungen teilweise zurückgenommen. Umso ernüchternder ist es, dass die kulturpädagogische Infrastruktur nun erneut unter erheblichen Kürzungsdruck gerät. Die Offene Jazz Haus Schule erklärt sich deshalb ausdrücklich solidarisch mit ihren Kolleg*innen in der Kooperative für Kulturelle Bildung Köln. Die Arbeit der elf Einrichtungen ist ein wesentlicher Bestandteil der kulturellen Bildungslandschaft dieser Stadt. Sie schaffen Zugänge zu Kunst und Kultur, erreichen Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Sozialräumen und leisten einen wichtigen Beitrag zu Teilhabe, Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Kulturelle Bildung braucht verlässliche Strukturen – und diese Strukturen müssen politisch gewollt und finanziell abgesichert sein. Was für die einzelne Einrichtung wie eine Kürzung aussehen mag, ist in der Summe ein Angriff auf eine gewachsene Infrastruktur, die Köln über Jahrzehnte aufgebaut hat.

Zwei Säulen musikalischer Bildung

Köln zeichnet sich durch eine bundesweit besondere musikalische Bildungslandschaft aus, die im Wesentlichen von zwei großen Institutionen getragen wird: der städtischen Rheinischen Musikschule und der Offenen Jazz Haus Schule in freier Trägerschaft. Beide haben unterschiedliche Profile und Organisationsformen, gemeinsam bilden sie jedoch zentrale Säulen der musikalischen Bildung in Köln und erreichen zehntausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Beide sind von der aktuellen Kürzungspolitik der Stadt betroffen.

Die OJHS leistet seit Jahrzehnten hervorragende, vielfach ausgezeichnete Arbeit und erreicht mit ihren Angeboten rund 5.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene – von der musikalischen Frühförderung über Breiten- und Spitzenförderung bis hin zu innovativen soziokulturellen Projekten in den Kölner Veedeln. Gemessen an diesem gesellschaftlichen Ertrag und kulturellen Wert benötigt die OJHS vergleichsweise geringe städtische Fördermittel. Umso unverständlicher ist es, dass die Stadtverwaltung die OJHS mit diesem Haushaltsentwurf ebenso wie die Rheinische Musikschule unter massiven finanziellen Druck setzt.

Wir sehen uns nicht in Konkurrenz, sondern als Teil einer gemeinsamen Verantwortung für die musikalische Bildung in Köln. Wenn an diesen Strukturen gespart wird, geht es deshalb nicht allein um einzelne Einrichtungen, Stellen oder Angebote. Es geht um die Frage, welchen Stellenwert musikalische und kulturelle Bildung in Köln künftig haben soll. Wir stehen solidarisch an der Seite unserer Kolleg*innen der Rheinischen Musikschule und appellieren an die Kölner Politik, die Bedeutung beider Einrichtungen für die Stadtgesellschaft anzuerkennen und die notwendigen finanziellen Voraussetzungen für ihre Arbeit zu sichern.

Wie Sie uns jetzt unterstützen können

Damit wir unser breites Bildungsangebot und unsere soziokulturellen Projekte in Köln weiterhin aufrechterhalten können, sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen:

  1. Sprechen Sie Ihre lokalen Stadtverordneten an: Machen Sie die Vertreter*innen Ihres Stadtbezirks im Kölner Stadtrat auf unsere bedrohliche Situation aufmerksam und fordern Sie den Erhalt der bisherigen Förderung für die OJHS.
  2. Werden Sie förderndes Mitglied der OJHS: Unterstützen Sie unsere Arbeit nachhaltig und langfristig durch eine Fördermitgliedschaft.
  3. Spenden Sie für die OJHS: Jeder Beitrag – ob klein oder groß – hilft uns direkt dabei, Projektangebote und Chancengleichheit aufrechtzuerhalten.
  4. Nutzen Sie unsere Angebote: Besuchen Sie unsere Kurse und Workshops, kommen Sie zu unseren Konzerten oder mieten Sie die historischen Räumlichkeiten der Eigelsteintorburg für Ihre private Feier oder Ihr Event.