Der Haushaltsentwurf 2027/28 sieht die Kürzung von 10 halben Stellen bei den Kulturpädagogischen Facheinrichtungen vor und reduziert damit deren städtische Förderung radikal. Den Verlust (je nach Einrichtung zwischen 25-50% der Strukturförderung) können die Einrichtungen nicht auffangen. Dies ist für sie existenzbedrohend!
Die Kulturpädagogischen Facheinrichtungen in Köln erreichen jährlich rund 50.000 Kinder und Jugendliche mit ihren Angeboten im Stadtgebiet. Die elf Einrichtungen leisten damit einen wesentlichen Beitrag für außerschulische Bildung, Demokratisierungsprozesse, kulturelle und soziale Einbindung von Kindern und Jugendlichen aus allen Sozialräumen in die Stadtgesellschaft.
Für eine stabile und friedliche Stadtgesellschaft der Zukunft ist kulturelle Basisarbeit von zentraler Bedeutung.
Die Anzahl der psychischen Belastungen unter jungen Menschen steigt auch Jahre nach der Pandemie weiter, Jugendkriminalität bleibt eine Herausforderung und viele junge Menschen berichten von Einsamkeit sowie Verunsicherung durch aggressive, leicht konsumierbare digitale Angebote. Vor diesem Hintergrund gewinnen verlässliche Anlaufstellen, gezielte Ansprache für Jugendliche mit eingeschränkten Teilhabechancen und geschützte Repräsentationsräume stark an Bedeutung. Sie stärken die Resilienz, fördern das demokratische Miteinander und schaffen Orientierung. Hierfür braucht es weiterhin stabile Strukturen, gezielte, fachgerechte Angebote und die Stärkung von Dritten Orten.
Dafür muss die Strukturförderung der Kulturpädagogischen Facheinrichtungen gesichert bleiben. Diese Einrichtungen können bereits jetzt ihren Bedarf nicht decken und agieren am Rande des noch Möglichen.
Die Strukturförderung der Kulturpädagogischen Facheinrichtungen wurde nach jahrelangen Existenzkämpfen aufgrund unzureichender finanzieller Absicherung ab Januar 2020 durch die Politik um jeweils eine halbe Stelle (insgesamt 10 halbe Stellen) aufgestockt. Diese „zugesetzten“ Stellen waren damals schon dringend notwendig und sollten in die mittelfristige Planung überführt werden, damit die Einrichtungen nachhaltig gesichert werden. Dies wurde leider bis heute nicht vollzogen. Stattdessen kämpfen die Kulturpädagogischen Facheinrichtungen seither von Haushalt zu Haushalt um ihre Finanzstruktur und müssen die Stellenaufstockung seit sechs Jahren immer neu erkämpfen.
In dieser Zeit wurde die Zahl der erreichten Kinder und Jugendlichen und trotz Corona um 50%, die eingeworbenen Drittmittel und die Anzahl der Projekte um 70% gesteigert, denn die Erhöhung des Stellenkontingentes zielte explizit auf Akquise von Drittmitteln und Leitung der Einrichtungen ab und zeigt nachweislich eine enorme Wirkung.
In der aktuellen Förderstruktur werben die Einrichtungen jährlich über 3 Millionen Euro zusätzliche Fördermittel ein. Die Kosten für die betroffenen Stellen für die Stadt liegen dagegen für 2027 bei 443.000 Euro für 2028 bei 452.000 Euro jährlich.*
Ein Kölner Euro generiert somit über 7 Euro an externen Fördermitteln für Köln. Die Streichung dieser 10 halben Stellen bringen somit keine Einsparung. Die Strukturförderung in der jetzigen Höhe ist für die Arbeit der Einrichtungen mittlerweile existenziell notwendig, denn der finanzielle Druck auf die Einrichtungen hat sich seit 2020 deutlich verschärft: Sie kämpfen mit Preissteigerungen, steigenden Honorarkosten, wegfallenden Fördermöglichkeiten, steigendem Verwaltungsaufwand und ebenfalls steigenden Bedarfen. Die über eine lange Zeit aufgebauten Strukturen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen müssen daher in der aktuellen gesellschaftlichen Lage geschützt und gesichert werden.
Für das soziale und kulturelle Miteinander in Köln ist eine starke kulturpädagogische Basis von zentraler Bedeutung. Die Angebote wirken präventiv, stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt und senken so die sozialen Folgekosten erheblich.
Daher bitten wir mit Nachdruck darum, die Strukturförderung der Kulturpädagogischen Einrichtungen in der Höhe der vergangenen sechs Jahre auch in der Haushaltsplanung ab 2027 zu berücksichtigen und die in 2020 erfolgte Stellenaufstockung in die mittelfristige Planung zu übernehmen, um die Einrichtungen nicht zu gefährden.
---
*Wichtige Erläuterung zu den Zahlen im Haushaltsentwurf: In der Position des Jugendamtes (Haushaltsentwurf, Band 1. S. 601/Teilplan 0604/Zuschusszeile „427 Jugendkultur- u. Medienträger“) gibt es wesentliche Faktoren und Veränderungen, die die Zahlen maßgeblich beeinflussen.
- Ab Mitte 2027 wird eine Offene Jugendhilfeeinrichtung als Kulturpädagogische Facheinrichtung geführt und wurde in diese Kostenposition mit übernommen, für das Haushaltsjahr 2027 für 6 Monate, für 2028 für das ganze Jahr.
- Mitberechnet werden 10 % Kostensteigerung auf die Zuschusssumme 2026. Diese Summe haben die Kulturpädagogischen Einrichtungen bisher aus dem Strukturförderfonds erhalten für die gestiegenen Tarif- und Energiekosten.
Die genannten Zahlen beinhalten 10 halbe Stellen, davon wird eine halbe Stelle (Offene Jazz Haus Schule) über das Amt für Schulentwicklung bezahlt und nicht über das Jugendamt, deshalb fehlen in der oben genannten Position des Jugendamtes 9 halben Stellen sowie eine weitere halbe Stelle beim Amt für Schulentwicklung (Band 1, Seite 499).
