Wie können musikalische Räume entstehen, in denen sich Menschen willkommen fühlen, mitgestalten und künstlerisch wachsen können? Wie können wir Verantwortung übernehmen für die Räume, die wir durch unsere musikalische und pädagogische Arbeit schaffen? Und wie lassen sich Fragen von Teilhabe, Diversität, Macht und Positionalität ganz konkret in die Praxis übersetzen?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich unsere Fachtagung „Klang. Raum. Verantwortung.“ am 3. und 4. Oktober 2026 in der Alten Feuerwache Köln. Im Mittelpunkt stehen Community Music und transkulturelle Musikvermittlung zwischen sicherem Raum und künstlerischer Praxis.
Gemeinsam denken, praktisch arbeiten, musikalisch begegnen
Die Tagung bringt Menschen zusammen, die Musik als sozialen und künstlerischen Raum gestalten: Musikvermittler*innen, Musikpädagog*innen, Community-Music-Akteur*innen, Künstler*innen und weitere Interessierte aus kultureller Bildung und freier Szene.
Dabei wollen wir nicht nur über Community Music sprechen, sondern sie auch gemeinsam praktizieren. Das Programm verbindet Keynotes, Projektpräsentationen, Praxis-Workshops, künstlerische Interventionen, ein Diskussionspanel und eine offene Jam-Session. Unterschiedliche Perspektiven und Arbeitsweisen sollen miteinander in Dialog treten und neue Verbindungen ermöglichen.
Zum Auftakt geben Yongfei Du und Shanti Suki Osman Impulse zu transkultureller Musikvermittlung, diversitätssensibler Bildung, Machtverhältnissen und Positionalität. Im Anschluss werden Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Projekt „Musik spricht – Töne aus der Vielfalt“ vorgestellt.
In den Praxis-Workshops wird es musikalisch und experimentell: Die Themen reichen von Afro-Latin-Rhythmen, Gnawa und Ballroom/Vogue über Vocal Empowerment und improvisatorische Ansätze bis hin zu Musikvermittlung als Community Practice. So entsteht ein vielfältiges Programm, das sowohl fachliche Reflexion als auch unmittelbares musikalisches Erleben ermöglicht.
Ein besonderer Bestandteil der Tagung ist die offene Jam-Session am Samstagabend. Hier darf das Format einer Fachtagung bewusst verlassen werden: Musik, Begegnung und gemeinsames Improvisieren stehen im Mittelpunkt.
Am Sonntag geht es unter anderem in einem Diskussionspanel um die Frage, wie sich Beziehung, Verantwortung und künstlerische Praxis in der Community Music miteinander verbinden lassen. Weitere Workshops eröffnen unterschiedliche Zugänge zu musikalischen Handlungsspielräumen, House- und Healing-Praxis, Rhythmus und Ritual sowie zu Community Music als partizipativer Musikvermittlung.
Programm zum Download Zur Online-Anmeldung
Das Programm
Samstag, 3. Oktober 2026
09:00 - 10:00 | Ankommen & Registrierung
10:00 - 10:20 | Musikalische Begrüßung, Warm-up & Einführung (mit Zainab Lax, Arezoo Rezvani und Alina Lorfeo)
10:20 - 12:30 | Keynotes
- Transkulturelle Musikvermittlung? Diversitätssensible Perspektiven für die Bildungspraxis (Yongfei Du, Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover)
- Von Machtverhältnissen zur möglichen Emanzipation: Zum Verständnis die Rolle der Positionalität in Community Music Praxis (Shanti Suki Osman, Universität Oldenburg)
12:30 - 12:40 | Bewegte Auflockerung (mit Oksana Shelyazhenko)
12:40 - 13:30 | Mittagspause
13:30 - 14:30 | Projektpräsentationen: Musik spricht – Töne aus der Vielfalt (mit Eleanna Pitsikaki, Melane Nkounkolo, Oksana Shelyazhenko und Nihat Iman)
14:30 - 15:00 | Kaffeepause
15:00 - 17:00 | Parallele Praxis-Workshops
Ab 17:00 Uhr ist die Fachtagung öffentlich und kostenlos zugänglich. Herzliche Einladung!
17:00 - 18:00 | Präsentationen
- Konzert mit Nick Klapproth und Serge Ananou
- Musik aus dem Koffer mit Zainab Lax und Joel Joao
18:00 - 19:30 | Artistic Intervention: Rhythm & Movement Clash | Latin, Urban/Hip Hop und House
19:30 - 21:00 | DJ-Sets | verschiedenen Crews und Kollektive
21:00 - 22:00 | Live-Jam-Session (mit Nick Klapproth, Serge Ananou, Rabih Lahoud und Mouloud Mammeri)
22:00 | Ende | Im Anschluss an das Samstagsabendprogramm in der Alten Feuerwache besteht für alle Teilnehmer*innen die Möglichkeit, den Tagungsabend gemeinsam im Stadtgarten Köln ausklingen zu lassen. Ab 22:00 Uhr laden Frente Salsero, la Casa del Perreo und Domingo de Cumbia zu einer Benefiz-Party ein. Die Einnahmen des Abends kommen den Betroffenen der Erdbeben in Venezuela und Kolumbien zugute.
Sonntag, 4. Oktober 2026
09:00 - 10:00 | Ankommen & Registrierung
10:00 - 10:30 | Warm-up (mit Rabih Lahoud und Eleanna Pitsikaki)
10:30 - 11:30 | Diskussionspanel: Resonanzen gestalten: Community Music zwischen Beziehung, Verantwortung und Praxis (mit Sheyda Ghavami, Zainab Lax und Nihat Iman, Moderation: Melane Nkounkolo)
11:30 - 11:45 | Kaffeepause
11:45 - 13:45 | Parallele Praxis-Workshops
13:45 - 14:30 | Mittagssnack
14:30 - 16:00 | Abschlussforum: Erkenntnisse & Ausblick (mit Gabriel Riquelme und Joscha Oetz)
16:00 | Ende
Parallele Workshops
Samstag, 3. Oktober 2026, 15:00 - 17:00 Uhr
Workshop 1: No Copy! Afro-Latin Rhythmen kreativ und individuell komponieren (Dozentin: Laura Robles)
Im Mittelpunkt des Workshops stehen Rhythmus und kreative Zugänge zu afro-lateinamerikanischen Musiktraditionen. Ausgehend von einfachen rhythmischen Strukturen vermittelt Laura Robles praktische Methoden, um eigene Rhythmen zu komponieren und mit einem leicht zugänglichen Notationssystem festzuhalten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie sich Elemente von Salsa respektvoll und reflektiert in die eigene musikalische Praxis integrieren lassen – im Bewusstsein für Herkunft, Kontext und kulturelle Traditionen.
Workshop 2: Ballroom Basics: introduction Vogue femme (Dozentin: Sophia Hankings-Evans)
Voguing ist Ausdrucksform, Kultur und Geschichte zugleich. Entstanden in der Ballroom-Szene der Schwarzen und Latinx LGBTQIA+-Community in New York, verbindet Voguing Tanzbewegung, Performance und Selbstermächtigung. Der Workshop vermittelt die Grundlagen von Vogue Fem und bietet Einblicke in die Geschichte sowie die Werte der Ballroom Culture.
ENTFÄLLT! Workshop 3: Gnawa als Community-Praxis: Perspektiven für die Musikvermittlung (Dozent: Mouloud Mammeri)
Der Workshop beleuchtet Gnawa als musikalische und soziale Praxis mit Fokus auf Community, Rhythmus, Tradition und gemeinschaftliches Musizieren. Vermittelt werden Einblicke in kulturelle Kontexte, Ansätze der Musikvermittlung und die verbindende Wirkung gemeinsamen musikalischen Erlebens.
Workshop 4: Resonanz statt Dominanz – Musiktherapeutische Improvisation für machtsensibles Arbeiten in diversen Gruppen (Dozentin: Zainab Lax)
Wer wird gehört? Wer nimmt Raum ein? Wer bleibt ungehört? Der interaktive Workshop untersucht Improvisation als Miteinander von Zuhören, Teilhabe, Selbstwahrnehmung und gegenseitiger Fürsorge. Im Mittelpunkt stehen das gemeinsame Musizieren, Wahrnehmen, Reflektieren sowie das bewusste Abgeben von Kontrolle in diversen Gruppenkontexten.
Workshop 5: Vocal Empowerment (Dozentin: Alina Lorfeo)
Der Workshop bietet die Möglichkeit, die eigene Stimme zu entdecken, zu stärken und als vielseitiges Ausdrucksmittel zu erfahren. Körperarbeit, Stimmbildung und Präsenz werden spielerisch, kreativ und ohne Leistungsdruck erkundet. Ziel ist die Förderung von stimmlichem Ausdruck, Selbstvertrauen und der Freude an der eigenen Stimme.
Sonntag, 4. Oktober 2026, 11:45 - 13:45 Uhr
Workshop 6: Die Musikerei – Spielräume musikalischen Handelns (Dozent: Rabih Lahoud)
Die Musikerei versteht sich als Raum für gemeinschaftliches und situationsbezogenes Musikmachen. Erkundet wird Musik als lebendige Situation, die von den Beteiligten durch Hören, Reagieren, Entscheiden und Handeln gestaltet wird. Im Mittelpunkt stehen Selbstwirksamkeit, Urteilskraft und die Verbindung von musikalischem Ausdruck mit persönlicher Erfahrung sowie das Hinterfragen real vorhandener Gestaltungsräume.
Workshop 7: The Power of Community: House as a Healing Practice (Dozentin: Nasrin Torabi)
Der Workshop beleuchtet House-Musik und Tanz als soziale Bewegung. Neben praktischen Übungen zu House-Grooves und Grundschritten widmet sich der theoretische Teil den Ursprüngen und der Entwicklung von House – von den Anfängen als Widerstandsbewegung bis zur heutigen Rave-Kultur. Diskutiert wird, inwieweit House als Raum für Freiheit und Selbstermächtigung fungiert und wer im aktuellen Kontext davon profitiert.
Workshop 8: Rhythmus, Ritual und Gemeinschaft – Einführung in Voodoo-Rhythmen (Dozent: Serge Ananou)
Rhythmen und Gesänge bilden einen zentralen Bestandteil von Voodoo-Zeremonien, wobei unterschiedlichen Gottheiten spezifische Rhythmen, Gesänge und Instrumente zugeordnet sind. Der Workshop führt in verschiedene Rhythmen und Polyrhythmen ein – von binären und ternären Metren bis hin zu rhythmischen Überlagerungen – und vermittelt Rhythmus als musikalische Praxis, Ritual und gemeinschaftliches Erlebnis.
Workshop 9: Räume öffnen, Gemeinschaft bauen – Musikvermittlung als Community Practice am Beispiel von Frente Salsero (Dozent*innen: Catalina Valencia, Gabriel Riquelme)
Frente Salsero ist ein postmigrantisches Latino-Kollektiv aus Köln. Mit Salsa, Cumbia und Champeta schafft das Kollektiv Gegenräume, in denen diasporische Identitäten gelebt werden und Diversität gelebte Normalität darstellt. Der Workshop befasst sich mit den Voraussetzungen für Musikvermittlung, die nicht nur für eine Community, sondern direkt mit ihr gestaltet wird. Das Angebot umfasst inhaltliche Impulse, eine Werkstattphase und konkrete Handlungsansätze für eine Community-first-Musikvermittlungspraxis.
Ein Raum für Austausch und Vernetzung
„Klang. Raum. Verantwortung.“ versteht sich nicht als klassische Fachtagung, bei der Wissen lediglich weitergegeben wird. Vielmehr möchten wir einen gemeinsamen Raum für Austausch, Reflexion, musikalische Begegnung und Vernetzung schaffen.
Wir laden dazu ein, eigene Erfahrungen und Fragen mitzubringen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie musikalische Praxis Räume für Teilhabe und Begegnung öffnen kann – und welche Verantwortung damit verbunden ist.
Die Fachtagung findet im Rahmen des Projekts „Musik spricht – Töne aus der Vielfalt“ statt und wird von der Offenen Jazz Haus Schule in Kooperation mit dem Community Music Netzwerk Deutschland sowie der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover veranstaltet. Gefördert wird die Veranstaltung durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.
Termin: Samstag/Sonntag, 3./4. Oktober 2026
Ort: Alte Feuerwache Köln
Teilnahmeentgelt: 80 €
Anmeldung: bis zum 18. September 2026
Programm zum Download Zur Online-Anmeldung
